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Eine Blüte zum Dessert
Blumen als Tischdekoration verblüffen niemanden, Blüten als Tellerdekoration schon eher – aber isst sie auch jemand? Sicherlich kaum. Und damit bringen Sie sich um ein superbes Speisevergnügen, denn die meisten Blumen sind tatsächlich nicht nur ess-, sondern im wahrsten Sinne des Wortes genießbar!
Wilde Schönheiten
Schon immer waren Menschen von der zarten oder wilden Schönheit blühender Pflanzen fasziniert – bis auf den heutigen Tag. Jedoch, apropos Schlemmer und Blüten, haben Sie schon einmal Mohnparfait, Rosenmarmelade, Stiefmütterchengelee, gezuckerte Dahlien- oder Malvenblüten probiert? In ein Weißdorn-Früchtebrot gebissen oder Schlüsselblumen-Mousse gelöffelt? Oder ein Schafgarben-Rührei genossen?
Aus der Not eine Tugend gemacht
Blüten als „Gemüse“ – modischer Firlefanz? Keineswegs! Außer Pflanzen und Kräutern wurden eben auch wohlschmeckende Blüten schon vor Urzeiten zum Würzen von Speisen und Getränken verwendet, nicht selten aus Not. Aus der man allerdings eine Tugend machte, indem man die Heilkraft der Blüten nutzte. Nicht nur in der Naturmedizin der Schamanen, sondern in fast allen alten Hochkulturen der Welt spielte Pflanzentherapie eine große Rolle.
Die Naturheilkunde ist in den letzten Jahrzehnten durchaus wieder aufgelebt, die Erfahrung des Wohlgeschmacks von Blumenblüten aber blieb weiterhin verschüttet. Die Blüten des Bärenklaus zum Beispiel, der überall auf unseren Wiesen wächst, übertreffen an Zartheit sogar den Spargel, wenn sie kurz in Wasser gegart werden. Begonien schmecken frisch, Chrysanthemen etwas bitter, ebenso herb die Dahlie, das Aroma der Gänseblümchen ist nussig.
Auch die Blüten der Gladiolen sind essbar, genauso wie Jasmin, Lavendel, die süße Magnolie. Klatschmohn und Kornblume haben wenig Geschmack, sehen aber auf vielen Speisen wunderbar aus. Rose, Schafgarbe, Schlüsselblume, Sonnenblume, Veilchen: Alle sind wunderschön, wohlschmeckend und nicht selten sogar nahrhaft. Löwenzahn etwa ist ebenso reich an Vitamin A wie die Karotte.
Lieber selber ziehen!
Übrigens sind selbst die wenigsten gezüchteten Blumen wirklich giftig – Vorsicht allerdings ist bei solchen aus dem Laden oder vom Markt geboten, da meist mit Insektengift oder Pflanzenschutzmitteln gespritzt. Am besten bedient man sich aus dem eigenen Garten oder vom Balkon: Dort können Kapuzinerkresse, Rosen, Stiefmütterchen, Veilchen, Sonnen- und Ringelblumen wie Küchenkräuter in Töpfen und Schalen gezogen werden.
Die Ernte sollte morgens erfolgen, wenn die Blüten noch jung und frisch sind. Penible Genießer spülen sie kurz unter kaltem Wasser ab – meist jedoch genügt es, sie vorsichtig auszuschütteln, um etwaige Insekten zu entfernen. Die Stängel immer abschneiden. Frisch gepflückte Blumen bleiben in einer Schale mit Wasser im Kühlschrank einige Stunden lang frisch. Um die Zartheit und den feinen Duft nicht zu zerstören, sollten die Blüten unmittelbar vor dem Servieren auf den Speisen angerichtet werden. Bei Salaten erst in die Schüssel geben, nachdem die übrigen Zutaten mit dem Dressing gemischt worden sind.
Nur ganz wenige Blüten dürfen erhitzt werden: zum Beispiel die Holunderblüte, die wunderbar schmeckt, wenn man sie mit Teig umhüllt und in Butter knusprig backt – auch ein leckerer Kuchen lässt sich daraus machen, ja sogar Wein, der eine feine Muskatnussnote besitzt. Besonders reizvoll übrigens ist das Kandieren oder Verzuckern von Blüten, die anschließend zum Dessert serviert werden. Die Blüte der Passionsfrucht eignet sich dafür sehr gut, ebenso die der Rosen und Veilchen.
Schmeckt einfach herrlich!
Probieren geht über Studieren! Kosten Sie das, was da klingt wie Positionen auf der Speisekarte aus einem Fantasy-Märchen: Wiesenschaumkraut-Suppe oder knusprige Margeritenknospen, Ringel-, Gänse- und Sonnenblumensalat, gefüllte Zucchini-Blüten, Lavendel-Lammbraten, Bärlauchblüten-Sauce, Lachsforelle mit Phlox. Und als Dessert ein Rosenblüten-Sorbet – mit einem Glas Champagner, in dem eine Begonien- oder Jasminblüte schwimmt.
Vorsicht!!!
Diese Schönheiten sind nur für die Vase bestimmt und gehören nicht auf den Esstisch: Akelei, Christrose, Eisenhut, Fingerhut, Goldregen, Herbstzeitlose, Maiglöckchen, Oleander, Pfaffenhütchen, Rainfarn, Scharfer Hahnenfuß, Schierling, Seidelbast, Steinklee und Tollkirsche.