
Foto: Julia Baier / laif
Essbare Landschaften
Genauso müssen Wiesen früher geduftet haben – frisch, grün, würzig, irgendwie wild. Noch aromatischer entfalten sich die Kräuter aber an einem anderen Ort: in der Küche.
In der prallen Sommerhitze verströmen die vielen Kräuter und Pflanzen einen geradezu betörenden Duft. Appetit machen sie auch, aber das ist ja kein Wunder in diesen „Essbaren Landschaften“.
Für Olaf Schnelle und Ralf Hiener ist der Name Programm. Seit zehn Jahren betreiben sie in Vorpommern eine Gärtnerei, deren Produkte Spitzengastronomen (und Hobbyköche) in ganz Deutschland begeistern.
Einer der Ersten, die das erkannten, war Ralf Hiener. Ende der 1990er Jahre arbeitete der Koch aus dem Schwarzwald im „Hotel Haferland“ auf dem Darß (Ostsee), wo er noch heute Kochkurse gibt.
Der Garteningenieur Olaf Schnelle lieferte Hiener Kräuter, die er auf den Wiesen und Feldern Vorpommerns entdeckt und gesammelt hatte. Daraus wurden in der Küche dann schmackhafte Salate und Süßspeisen. Kerbel und Sauerklee gaben Suppen und Saucen das gewisse Etwas.
Und weil die wilden Pflanzen unglaublich gut schmeckten, fassten die beiden einen verwegenen Plan: Statt Schafgarbe, Ackerhellerkraut und Vogelmiere in der Wildnis zu sammeln, wollten sie diese selbst anpflanzen ...
Heute bauen sie auf insgesamt fünf Hektar Ackerland rund 80 verschiedene Kräuter, Salate und Gewürze an. Was viele Hobbygärtner zur Verzweiflung treibt, ist für Schnelle und Hiener der Stoff, aus dem feinste Delikatessen entstehen.
Ob Franzosenkraut, Ysop, Geißfuß oder Eisbegonien, Klettenlabkraut, Taubnesseln oder Magentamelde – in der sanften Landschaft Vorpommerns wachsen all diese Kräuter in trauter Nachbarschaft und fast ordentlichen Reihen.
Der Wildkräuterhandel ist ein Saisonbetrieb. Vom späten Frühjahr an wird auf den Beeten das geerntet, was die Natur sprießen lässt. Der Arbeitstag beginnt früh, die ersten Pflücker gehen kurz nach Sonnenaufgang in die Felder. Später am Tag lässt die Sommersonne die Pflanzen zu schnell ermatten.
Für Hiener ein Unding – „Essbare Landschaften“ liefert nur topfrische Ware und die ausnahmslos auf Bestellung. Gleich nach der Ernte werden die grünen, gelben, roten, weißen, violetten Pflanzen dazu geputzt, gewogen und in kleine Plastiktüten und Kartons verpackt.
Mittlerweile werden nicht mehr nur Spitzenrestaurants beliefert. Über die Internetseite ihrer Gärtnerei kann jeder seine Lieblingspflänzchen aussuchen und ordern.
Für ambitionierte Hobbyköche haben der Koch und der Gärtner ein hübsches, informatives Buch zusammengestellt: „Wildkräuter. Essbare Landschaften“ gibt es für 19,90 Euro über www.essbare-landschaften.de.
Olaf Schnelles Einkaufstipp für den Juli: Würzöle mit den Aromen des Sommers. Und natürlich Wildkräuter für den Salat, jeden Tag ein wenig anders – wie das Kraut gerade gewachsen ist ...
Text: Signe Zerrahn
Essbare Landschaften, Gutshaus Boltenhagen, 18516 Süderholz, Tel. 038326/53 57 80, www.essbare-landschaften.de, Besichtigung nach telefonischer Anmeldung