
Foto: Wolfgang Kowall
Klassiker aus aller Welt
Sie sind überall zu Hause, wo ein Herd steht, und der Inbegriff einer rundum gelungenen Mahlzeit: traditionelle Gerichte, die im kulinarischen Wünsch-dir-was immer wieder den ersten Platz belegen.
Eine Küche ohne Klassiker wäre so arm wie ein vorweihnachtliches Fernsehprogramm ohne die sehnlichst erwarteten, mit vielen Erinnerungen beladenen Wiederholungen. Altbekannte Darbietungen, auf die man sich stets von Neuem freut, würden bitter vermisst.
Der Satz „Wann gibt es denn endlich mal wieder …?“ existiert in allen Sprachen der Menschheit, entsprechend groß ist die Vielfalt der Klassiker, die rund um die Welt immer wieder dann auf den Tisch kommen, wenn es möglichst allen schmecken soll.
Eine festlich gedeckte Tafel in der arabischen Welt ohne knusprig gebackene Teigtaschen ist so undenkbar wie ein mexikanisches Traditionsessen, bei dem die Schale mit der samtig-grünen Guacamole-Creme fehlt, ein badisches Kaffeekränzchen ohne Schwarzwälder Kirschtorte wäre ein schlechter Witz und eine russische Küche, in der nicht zuweilen ein Kessel Borschtsch dampft, schlicht undenkbar.
Viele der kulinarischen Dauerbrenner wurden in Zeiten der Not erfunden, einige sind das Resultat von Überfluss, und bei manchen hat sogar die Politik ihre Finger im Spiel. Als Henri IV. seinerzeit verkündete: „Jeder Bauer soll sonntags sein Huhn im Topf haben!“, heizte er quasi landesweit den Ofen vor für das im Ganzen, mit Speck und Zwiebeln in Wein geschmorte Huhn, das in Frankreich heute ein beliebter Klassiker ist und mit seiner herrlich aromatischen Sauce den kulinarischen Alltag zuverlässig bereichert.
Als während des Zweiten Weltkriegs in Thailand der Reis knapp zu werden drohte, erklärte ein gewiefter Premierminister ein Gericht aus gebratenen Nudeln und wahlweise Fleisch oder Meeresfrüchten kurzerhand zur Nationalspeise. Zum Glück der ganzen Welt hörten seine Untertanen auf ihn – und das Pad Thai wurde berühmt.
Besonders schön an Klassikern ist, dass man sie hin und wieder neu interpretieren darf. Unser Coq au Vin mit Knoblauch und allen Kräutern der Provence zum Beispiel ist eine mediterran-würzige Variante des französischen Originals, und unser Pad Thai mit Duftreis, Rindfleisch, Orangensaft und Garnelenspießen hätte einem gewissen Premierminister mit Sicherheit imponiert.
Selbstverständlich haben wir auch den krönenden Abschluss für unsere kulinarische Weltreise nicht vergessen: Die Guacamole wird bei uns süß und mit Kokoschips und Ananas serviert – eine gelungene, frische Überraschung zum Nachtisch.
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