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Wien kulinarisch
Wiener sind einfach nicht gern hungrig. Sie lieben „ihre“ Küche, die Beisl, Kaffeehäuser und Wirtsstuben. Und weil das so ist, scheinen die Wiener ständig auf dem Weg zwischen zwei Mahlzeiten zu sein – stets in Eile, immer ein bisschen ungehalten und vielleicht nur deshalb etwas ungeduldig.
Ein typischer Samstag am Naschmarkt. Gegen elf Uhr trifft sich die ganze Stadt (wenigstens diejenigen, die in den angrenzenden Bezirken IV bis VI wohnen). Jeder weiß, dass die Verkaufshütten zwischen linker und rechter Wienzeile ein Touristenmagnet sind. Aus diesem Grund würde vermutlich kaum ein Wiener den gesamten Wocheneinkauf am Naschmarkt erledigen. Zum Naschmarkt geht man der guten Produkte wegen, die hier – zugegeben – ein wenig teurer sind als anderswo. Allerdings gibt es manches für die feine Küche nur an diesem Ort.
Der Gegenbauer beispielsweise verkauft an Stand Nummer 111 bis 114 täglich außer am Sonntag seine feinen Essige und Öle. Dem Chef der Brauerei, Erwin M. Gegenbauer, geht es dabei um nicht viel weniger als um eine Revolution des Geschmacks. Seine Produkte, so die Philosophie, müssen absolut sortenrein sein. Jeder Fruchtessig wird nur aus der puren Frucht gewonnen. Jeder Weinessig behält seine natürliche Säure und wird nicht mit Wasser verdünnt. Es gibt keine Zusätze oder Zuckercouleur, um die Farbe zu verändern. Ein Himbeeressig von Gegenbauer ist die reine, konzentrierte Frucht, seine Weinessige sind so perfekt wie der dazu verwendete Riesling, Zweigelt oder die Trockenbeerenauslese. Erwin M. Gegenbauer hat sogar Trinkessige erfunden, Digestifs so fein und cremig wie edle Süßweine (Online-Shop: www.gegenbauer.at).
Wem nach so viel Auswahl der Sinn nach einem kleinen Gabelfrühstück steht, lässt sich am besten weiter durch die Standln treiben. Die Gasse an der linken Wienzeile ist durch Restaurants, Imbissstände oder Gaststätten ge-prägt. Zeit für eine Stippvisite beim Palatschinken-Kuchl (Stand Nr. 131, Mo–Fr 6–9 Uhr, Sa 6–17 Uhr), wo über fünfzig verschieden gefüllte, süße oder herzhafte Pfannkuchen (für Berliner: Eierkuchen) serviert werden.
Der Naschmarkt, so hört man in der Stadt immer wieder, sei der „Bauch von Wien“. Die grünen Pavillons stehen hier seit einer kleinen Ewigkeit. Bereits 1916 wurden die ersten Stände eröffnet. Der Name „Naschmarkt“ kommt von Aschenmarkt, ursprünglich ein Milchmarkt, zu dem die Milch in besonderen Gefäßen, den „Aschen“, transportiert wurde.
Ein Bummel „durch die Stadt“ bedeutet in Wien einen Besuch des 1. Bezirks. Innerhalb der Ringstraßen – eleganten Boulevards mit mehrspurigen Straßen und breiten Fußgänger-promenaden – zeigt sich das repräsentative Wien in seiner ganzen Pracht. In der Inneren Stadt liegen Hofburg, Stephansdom, Staatsoper, Spanische Hofreitschule, Museen, Theater – kurz: sämtliche touristischen Ziele auf rund einem Quadratkilometer. Die Wiener Einkaufsstraßen erinnern mit Namen wie Graben und Kohlmarkt an frühere Zeiten.
Tatsächlich beherbergen die prächtigen Palais aus K.-u.-K.-Zeiten heute jedoch ähnliche Shops, wie sie in der Regel in allen europäischen Großstädten zu finden sind. Allein gastronomisch bewahrt Wien seinen ganz eigenen Stil.
Das wären zum einen die Kaffeehäuser (Adressen siehe unten). Vor rund 20 Jahren beinahe totgesagt, sind sie heute wieder kommunikative Orte, an denen sich Gäste bei einer Melange stundenlang ungestört hinter eine Zeitung zurückziehen dürfen. Gegen den kleinen Hunger serviert jedes Haus seine individuellen Köstlichkeiten. Das sind wunderbare Mehlspeisen, wie die Österreicher ihre süßen Gerichte nennen, als da wären Strudel, Buchteln, Knödel, Palatschinken. Auch Torten und Kuchen fallen unter diesen Begriff (weil sie ja auch aus Mehl gemacht werden).
Essen „to go“ (korrekt müsste es ja eigentlich „to take away“ heißen) widerspricht der Wiener Genusstradition. Wer nur eine Kleinigkeit essen möchte, kehrt für ein unaussprechlich gutes Brötchen oder Sandwich bei Trzesniewski ein, verabredet sich in einem Beisl wie dem Gustl Bauer oder Reinthaler oder nimmt ein Häppchen mit einem guten Wein im Schwarzen Kameel.
Spätestens wenn abends im Esterházykeller die Geschäfte beim Glaserl Roten diskutiert werden, zeigt sich, dass die Wiener freundliche und umgängliche Menschen sind, die nur in einem Punkt keinen Spaß verstehen: bei der Kritik an ihrer Wiener Küche.
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Wien für Genießer
Kaffeehäuser:
Hawelka, Künstlercafé, Dorotheergasse 6 (Di Ruhetag, So 10–2 Uhr, werktags 8–2 Uhr), www.hawelka.at
Griensteidl, Michaelerplatz 2 (tgl. 8.30– 23.30 Uhr)
Demel, K.-u.-K.-Hofzuckerbäckerei, Kohlmarkt 14, ( tgl. 10–19 Uhr), www.demel.at
Café Central, Herrengasse 14 (Mo–Sa 7.30–22 Uhr, So 10–18 Uhr, feiertags 10–22 Uhr)
Beisl:
Gustl Bauer, Drahtgasse 2 (Am Hof), (Mo–Sa 10–23 Uhr, So Ruhetag)
Reinthaler, Dorotheergasse 4/Graben (tgl. 11– 23 Uhr)
Krah Krah, Bierbeisl, Rabensteig 8, (tgl. 11–2 Uhr), www.krah-krah.at
Essen & Trinken:
Trzesniewski (Sandwich-Bar), Dorotheergasse 1 (Mo–Fr 8.30–19.30 Uhr, Sa 9–17 Uhr), www.speckmitei.at
Zum Schwarzen Kameel, Jugendstil-Restaurant, Bar und Delikatessenhandel, Bognergasse 5 (Mo–Sa 8.30–24 Uhr; Restaurant: 12–15.30 Uhr und 18–24 Uhr), www.kameel.at
Esterházykeller, Weinlokal, Haarhof 1 (Mo–Fr 11–23 Uhr, Sa + So 16–23 Uhr), www.esterhazykeller.at